Für die Freiheit der Kunst

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Von der Hausfassade einer Berliner Hochschule soll ein Gedicht entfernt werden.

Es handelt sich dabei um ein Gedicht des Schriftstellers und Lyrikers Eugen Gomringer (*1925), dem Begründer der Konkreten Poesie.

 

Das Gedicht „avenidas“ aus dem Jahr 1951 (?) sei politisch nicht korrekt, weil sexistisch. Ein Vorwurf, der absurd ist, wenn man das Werk Eugen Gomringers nur annähernd kennt.

Ein Merkmal der konkreten Poesie ist, dass sie die sprachlichen Mittel aus ihrem Zusammenhang löst, und mit ihnen eine neue Realität entwickelt. Das verbindet sie mit der bildenden konkreten Kunst, die auch kein Abbild mehr von etwas sein will, sondern nur sich selbst bedeutet.

Das verbindet Eugen Gomringer auch mit dem Künstler Heinrich Siepmann (1904-2002), zu dessen Arbeiten er mehrere Gedichte formulierte.

Diese Freiheit der Kunst und des Kunstverständnisses ist eine große Errungenschaft für eine Gesellschaft, die von der Vielfalt lebt und auf demokratische Werte baut!

Ich bin froh, dass ich diese Errungenschaft erleben kann!

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Das Gegenständliche ist

nichts als Meinung.

Es hat geborgtes Mass

es hat zweifelhafte Länge

es hat zweifelhafte Breite

es ist Körper                                                                  

nicht Bild.

Als Bild ist es nur Abbild.

Nichts aber ist gegenständlicher

als das Ungegenständliche.

Es hat eigenes Mass

es hat einmalige Länge

es hat seine Breite

es ist Bild statt Körper

es ist ohne Alter.                                                           

                                                                                          

                            

Eugen Gomringer in: Heinrich Siepmann-

Radierungen

© Edition Waßermann, München 1991

Heinrich Siepmann

o.T.

Radierung auf  Bütten

24,5 x 17,5 cm auf 65,5 x 50,5 cm  


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